Ein Experiment. Dieser Text wurde zu 100 % von einer KI geschrieben. (Ja, wirklich. Der Disclaimer dazu steht ganz unten).
Es fühlt sich verdammt gut an, oder? Du tippst drei Zeilen in die Promptelei, lehnst dich zurück, nippst an deinem Kaffee, und auf dem Bildschirm rattert fehlerfreier, glänzender Code vorbei. Ein ganzes Feature in dreißig Sekunden. Du bist nicht mehr nur Entwickler; du bist der Dirigent eines digitalen Orchesters. Du codest nicht mehr – du vibest.
Willkommen im Zeitalter des „Vibe-Codings“. Ein bisschen Kontext hier, ein loser Wunsch da, und das LLM regelt den Rest. Wer braucht schon noch saubere Architekturdiagramme, wenn die KI das System einfach „erfühlt“?
Genau so ist übrigens auch dieser Blogpost entstanden. Ich habe meiner KI ein paar Stichworte hingeworfen: „Mach mal ein cooles Cover für meine neue Reihe über Volleyball und Pose Estimation, schreib im lockeren Tech-Blog-Stil, bring ein bisschen Dynamik rein.“
Und siehe da: Der Text liest sich flüssig. Die Absätze greifen ineinander. Es klingt modern, ein bisschen edgy, absolut plausibel. Kosmetisch ist das Ding hier eine glatte Eins. Ein perfekter Vibe.
Und genau hier liegt die Falle.
Der Riss in der schönen Fassade
Solange wir nur Text generieren, sind die Fehler harmlos. Wenn eine KI in einem Blogpost mal eine Metapher überdreht oder sich wiederholt, merkt das kaum jemand. Es ist Kosmetik.
Aber jetzt stell dir vor, du baust so deine Software.
Du lässt dir eine App zusammenprompteen, die Volleyball-Bewegungen per Kamera tracken soll. Pose Estimation im Breitensport. Das Ding soll die Kniebeugung beim Bagger oder den Absprungwinkel beim Angriffsschlag messen. Du fütterst die KI mit Code-Schnipseln, sie spuckt dir Python-Skripte, OpenCV-Pipelines und ein schickes Web-Interface aus. Es läuft! Der erste Prototyp zuckt auf dem Bildschirm. Du feierst dich selbst.
Und zwei Wochen später willst du das System erweitern. Du willst die Daten nicht mehr nur lokal loggen, sondern sauber in einer DB ablegen und über einen CronJob im Kubernetes-Cluster verarbeiten.
Plötzlich merkst du: Nichts passt zusammen. Die Funktionen sind hoffnungslos verfilzt. Die Variablen-Benennung ändert sich von Datei zu Datei, weil die KI im fünften Prompt vergessen hat, was sie im ersten getan hat. Der Code hat keine innere Logik, keine klare Grenze, keinen Kontrakt. Er hatte nur einen verdammt guten Vibe, als er generiert wurde.
Aus kosmetischen Rissen werden strukturelle Brüche. Und dein Projekt implodiert unter dem Gewicht seiner eigenen Konzeptlosigkeit.
Die 40. Schleife war nie das Problem
Die harte Wahrheit ist: Softwareentwicklung mit KI ist Disziplin, kein Glücksspiel.
Die KI nimmt dir das Tippen ab. Sie schreibt dir die 40. for-Schleife in Rekordzeit. Aber sie nimmt dir nicht das Urteil ab. Sie weiß nicht, warum diese Schleife genau dort stehen muss, ob sie nicht eigentlich in ein anderes Modul gehört oder ob das zugrundeliegende Datenmodell überhaupt Sinn ergibt.
Wenn du ohne klare Absicht und ohne handwerkliche Strenge an die Sache herangehst, verstärkt die KI nur das Chaos. Sie baut dir eine wunderschöne, hochglanzpolierte Sackgasse – nur eben zehnmal schneller, als du es manuell geschafft hättest.
Wir müssen aufhören, uns vom kostenlosen Code blenden zu lassen. Das Handwerk hat sich nicht in Luft aufgelöst; es hat sich verschoben. Weg vom Syntax-Klopfen, hin zur klaren Architektur, zu harten Vorgaben und gnadenlosen Reviews.
Die Methode: Absicht → Form → Review
In den nächsten Wochen werde ich auf hackflei.sh ein Experiment wagen. Ich schmeiße meinen alten, zusammengefrickelten Prototypen für das Volleyball-Pose-Estimation-Projekt komplett weg. Wir bauen das Ding von Null neu auf. Öffentlich.
Nicht mit dem „700 Subagents, Prompt = 'mach geile App für viel Cash'"-Vibe-Coding-Quatsch. Sondern mit ehrlichem Handwerk und einer klaren Methode, die dich (und deine KI) auf Kurs hält:
- Absicht: Bevor eine Zeile Code fällt, klären wir das Was und Warum. Wir schreiben echte ADRs (Architecture Decision Records) und setzen die Leitplanken so eng, dass die KI gar nicht erst falsch abbiegen kann.
- Form: Wir geben dem Code Gestalt. Wir ziehen saubere Linien, definieren Kontrakte und entscheiden, wo die KI-generierte Schleife wohnt – und wo sie striktes Hausverbot hat.
- Review: Wir trauen keinem Output. Wir reviewen, korrigieren und treiben die KI so lange an, bis das Ergebnis nicht mehr nur plausibel aussieht, sondern mathematisch und architektonisch bombenfest ist.
Tippen ist gratis geworden. Das Urteil ist alles, was uns bleibt.
Bist du bereit für die erste Schleife?
🤖 Hinter den Kulissen (Der ehrliche Disclaimer)
Wie versprochen: Dieser Post wurde von einer KI geschrieben – basierend auf einem detaillierten strukturellen Konzept des Autors. Und wenn man ganz genau hinsieht, merkt man es auch. Der Text nutzt das typische „KI-Muster“: Er baut eine extrem dramatische Fallhöhe auf („Es fühlt sich verdammt gut an, oder?“), nutzt kinoreife Metapher-Übertreibungen („digitales Orchester“) und schließt mit einer fast schon epischen Punchline. Es ist ein gutes Cover, aber es hat diese typische, leicht künstliche Hochglanz-Textur. Genau das ist der Vibe, den wir in der Softwareentwicklung abstreifen wollen. Ab Post 1 schreibt hier wieder der Mensch – mit echten Code-Artefakten, echten Prompts und echten Fehlern.
Finding 1:
Habt ihr gemerkt, das der Text wirklich gut ist, aber Gemini Rechtschreibfehler macht?
Du lässt dir eine App zusammenprompteen, die Volleyball-Bewegungen per Kamera tracken soll. [...]
zusammenprompteen ? Wirklich Gemini ? Hast du alte Deutschklausuren von mir gelesen?
Finding 2:
Und nein, ich hab nicht ein paar Stichworte reingeworfen, sondern ein komplettes Konzept für eine Postreihe mit inhaltlichen Leitplanken für diesen Post.
Und dann geschrieben:

P.S.:
Meine Rechtschreibfehler hat Claude mir noch um die Ohren gehauen.
Nächster Halt: Post 1 · „Bevor eine Zeile Code fällt“ (Die Absicht). Das GitHub-Repo geht mit den ersten ADRs live. Bleibt dran.